Der Brief

Malte lief, lief immer weiter. Er wußte nicht, wo er war, und wohin er mußte. Immer geradeaus, weg, weg von der Lietzenburg. Einfach weg von dem Ort, an dem Marielu dieser verhängnisvolle Brief aus der Tasche gefallen war. Weg von dem Ort, an den er nie wieder gehen würde, nie wieder. Malte stolperte den Uferweg entlang, zerkratzte sich Arme und Beine an den Zweigen der Sanddornbüsche und lief weiter in Richtung Leuchtturm.
In der letzten Woche hatte er sie kennengelernt, Marielu und diesen blöden Sebastian. Naja, so blöd war er eigentlich nicht, aber der Brief ändert natürlich alles...
Noch einmal ging Malte den Brief im Kopf durch: „Verliebt, das habe ich gefühlt, als Du zu meinem Geburtstag gekommen bist." Malte erinnerte sich noch sehr gut an diesen Tag und wie Marielu Sebastian da angesehen hatte, als er mit seinem dummen Stein angerannt kam. ‚Was kann ich dafür, daß ich nicht so große Bernsteine finde? Über meine Muschelkette hat sie sich nicht halb so doll gefreut. Dabei waren wir von Anfang an beste Freunde! Und dann kam dieser Blödhammel! Der brief war eindeutig an ihn gerichtet, oder?' So jagten die Gedanken durch Maltes Kopf. Er zog den zusammengefalteten Zettel aus seiner Tasche und las erneut: „Weißt Du, wie es ist, wenn man sich verliebt? Meine Mutter sagt, man fühlt sich, als hätte man Schmetterlinge im Bauch. Das Gefühl hatte ich auch irgendwie, als Du letzte Woche zu meinem Geburtstag gekommen bist." Bis zu dieser Stelle hatte er vorhin schon gelesen. Nun las er weiter: „Über Deine Muschelkette habe ich mich am meisten gefreut. Ich liebe Dich Malte. Deine Marielu"