Das große Fest der Hauptmanns

Es war ein sonniger Tag. Hauptmann ging in seinem Arbeitszimmer auf und ab und überlegte, wie er seine Aufregung zurückhalten könnte. Obwohl es noch morgens war, dachte er immerzu an das Fest, das am Abend stattfinden sollte. Der Koch mixte, rührte und briet eifrig in der Küche. Der Koch schickte den kleinen Sohn der Hauptmanns in den Weinkeller, um zwei Flaschen Wein und eine Flasche Olivenöl zu holen. Hauptmann und seine Frau gingen nach oben, um sich für den Abend umzuziehen. Hauptmann und seine Frau waren noch im Morgenrock gewesen und wie bekannt ist, wollten sie sich so nicht vor den Gästen blicken lassen. Margarete Hauptmann rief den kleinen Sohn mit dem Namen John zu sich hoch, um ihn für den großen Abend hübsch zu machen. Der kleine fünfjährige John staunte, wie schön seine Mutter aussah. Und sein Vater sah genausogut aus: Haare gekämmt, Schuhe poliert, sein bester Anzug – einfach alles wirkte sehr elegant. Die Mutter im geblümten Kleid mit ihrer schönsten Perlenkette um den Hals, den roten Stöckelschuhen und der rot-blau-weißen Schleife im Haar – wie die französische Flagge.

Das Fest sollte um sieben Uhr beginnen und um zehn Uhr aufhören. Die ersten Gäste kamen schon. Der kleine John bewunderte all die schönen Kleider. Sein Mund stand offen und seine Augen waren ganz groß. Da hättet ihr John einmal sehen sollen: So wie er dastand mit dem schwarzen Frack mit Schwalbenschwanz, dem weißen Hemd, der roten Krawatte und der schwarzen Anzughose. Sein mittellanges braunes Haar war ordentlich gekämmt und er zog höflich seine schwarze Kappe, immer wenn ein Gast eintraf. Johns kleiner Hund, den er zum fünften Geburtstag bekommen hatte, sprang fröhlich um ihn herum. Weil er seinen Vater so lieb hatte und weil es ein männlicher Hund war, nannte er den Hund Gerhard.

Jetzt waren fast alle Gäste eingetroffen. Es fehlten nur noch drei, seine Oma und sein Opa, und die Witwe seines kürzlich verstorbenen Onkels, seine Tante Lisbeth. Auch Tante Lisbeth, die sich sonst immer ein wenig verspätete, kam diesmal pünktlich um sieben Uhr. Sie hatte sogar ein kleines Geschenk für John dabei.

Jetzt kam das Essen. Uiiii, was für ein Essen! Siebenundvierzig Gäste und ein Festmahl mit zwölf Gängen. Der Koch mußte den kleinen John fünfmal nach unten in den Weinkeller schicken, um drei flaschen Wein zu holen und noch eine ganze Flasche Olivenöl, damit er die große Sau braten konnte. Der Nachtisch war eine vierstöckige Sahnetorte. John dachte, daß das Beste an dem Festmahl die große Sahnetorte war, gefüllt mit Erdbeeren und Eis. John bekam auch ein wenig Wein, aber verdünnt mit Wasser – der schmeckte ihm eigentlich gar nicht.

Dann wurden noch ein paar Runden Karten gespielt und das Fest war zu Ende. Bevor die Gäste gingen, hielt Gerhard Hauptmann eine Ansprache. Er hoffte, daß alle einen vergnügten Abend verbracht hätten und das alles gut geschmeckt hätte.

Margarete allerdings fehlte bei dieser Ansprache, weil sie den kleinen John ins Bett bringen mußte. Nun gingen alle Gäste, einer nach dem anderen. Als alle weg waren, trank Gerhard Hauptmann noch ein Glas Wein, zog sich aus, nahm ein Bad und zog seinen Schlafanzug an. Bevor er sich ins Bett legte, schaute er noch einmal bei Margarete und John 'rein, aber sie schliefen schon fest. Er schloß leise die Türe, ging ins Bett und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen standen alle spät auf und fanden, es war ein vergnügter Abend gewesen.


In der Kürze liegt die Würze –
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