Vitter Gezwitscher

Lautlos gleite ich über die Brandung des Strandes von Vitte. Silbermöwen wie ich sind neugierig und halten sich gerne in der Nähe des Strandes auf, weil es dort immer etwas zu sehen gibt. Da – ein Stück Fisch, das einem Kind im Feuerstübchen heruntergefallen ist.  Kreischend stürze ich mich darauf. Gerade will ich es verschlingen, da höre ich eine Stimme vom Dachstuhl. „Immer diese gierigen Möwen. Nur Dreck richten sie an.“ Fast bleibt mir der Brocken im Hals stecken. „Eine Schwalbenmutter sitzt in ihrem Nest und sieht mich vorwurfsvoll an. „Na hören Sie mal!“, protestiere ich. „Wo kriegen Sie denn Ihr Zuessen her? Und die Hiddenseeer beschweren sich doch immer über Ihren Mist auf den Balkonen!“ „Pah!“, kontert die Schwalbe. „Ich bevorzuge Insekten, genau wie meine kleinen hier.“ Liebevoll deutet sie auf ihr Nest. „Sei doch nicht so kleinlich. Schwalben fliegen im Winter nach Afrika!“ Ich schlage aufgeregt mit den Flügeln und wedel frische Seeluft in Richtung Feuerstübchen. „Echt? Das ist ja aufregend! Ich bin den ganzen Winter hier auf der Insel und oft auf die Nahrung der Menschen angewiesen, wenn in besonders kalten Hiddensee-Wintern Teile der Ostsee zugefroren sind.“ Aufgeregt hüpft die Schwalbe auf der Stelle; ihre Augen glänzen. „Sie bleiben auf der Insel? Erzählen Sie mir davon!“ Detailgetreu beschreibe ich den letzten Winter und die Schwalbe erzählt mir von ihren Erlebnissen als Zugvogel. Und so vergeht der Tag auf Hiddensee wie im Fluge. Als ich mich wieder in die Lüfte schwinge, segle ich dem Sonnenuntergang von Vitte entgegen. Was war das wieder für ein schöner Tag!


In der Kürze liegt die Würze –
Literaturwettbewerb für Kinder 

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