Warum ohne Schwimmflügel?

Mia schaute sich um. Wo ist nur ihre Mutter? Kaum Leute am Strand, pah! Der Sand ist steinig dieses Jahr. Sie stakst vorsichtig bis zum Wasser. Schön kalt. Sie blickt nach links und rechts, kann jedoch kein Gesicht entdecken, das ihr bekannt vorkommt. Ein paar Leute sonnen sich, einige lesen, ein Junge baut mit seiner Schwester eine große Sandburg. Kinder rennen kreischend und lachend ins Wasser. Andere balancieren auf Buhnen, um dann johlen ins kühle Nass zu springen. Mia lächelt, und ist doch kurz davor loszuweinen. Wie gerne würde sie mitspringen! Doch wer würde schon mit ihr springen wollen? Seufzend schüttelt sie den Kopf und watet weiter durchs Wasser. Am liebsten würde sie sich die Klamotten vom Leib reißen und sofort in dem rot-blauen Bikini, den sie im Urlaub immer von früh bis spät trägt, ins Wasser sprinten. Doch wenn ihre Mutter sie dabei erwischt, hat sie ein Problem. Also harrt sie aus. Sie läuft weiter in Richtung Kloster. In einer kleinen Nebelschwade entdeckt sie den Dornbusch. Sie schmunzelt. Wer sich wohl diesen Namen ausgedacht hat?! Dann entdeckt sie einen Sonnenschirm, eine grüne Strandtasche und eine große, bunte, ausgebreitete Decke, die sie schon einmal gesehen hat. Bei genauerem Hinsehen erkennt sie die Sommerausrüstung ihrer Mutter. Doch auch hier sind ihre Schwester Lilly und ihre Mutter nicht zu sehen. Ob die beiden einen Strandspaziergang machen? Als sie plötzlich laute Schreie und Hilferufe hört und ihr die Stimme bekannt vorkommt, dreht sie sich blitzschnell in Richtung Wasser um. „Verdammt“, flucht Mia leise vor sich hin. Ihre Mutter ist weit und breit nicht zu sehen und ihre lustigen Marienkäferschwimmflügel trägt Lilly auch nicht. Mia zieht in Windeseile ihre Jeans und ihr T-shirt aus und sprintet ins Wasser. Sie hat das Gefühl schneller als jeder Olympiasieger zu sein. Ihre Schwester rudert verzweifelt mit den Armen. Mia ist schon beim Buhnenende. Gleich hat sie ihre Schwester. Nie war ihr bewusst gewesen, wie schwer ein gerade mal fünfjähriges Menschlein sein kann. Mia schnauft. Ihre Schwester hustet und spuckt. Mia hat sie auf den rücken gelegt und zieht sie beim Rückenschwimmen hinter sich her. Sie hat es fast geschafft. Vorsichtig testet sie, ob sie stehen kann. Zum Glück. So geht es leichter. Kaum 1 Minute später liegt sie schwer atmend am Ufer. Sie wird sofort von ein paar Touristen umsorgt. Dann kommt auch schon ihre Mutter angelaufen. Sie war nur kurz für ihren Bastelworkshop ein paar glatte, runde Steine suchen, als das Unglück geschah. Mias Schwester heult immer noch erbärmlich. Sie fand es wohl uncool mit Schwimmflügeln ins Wasser zu gehen. Die Mutter verspricht Lilly, wenn sie wieder zu Hause sind, sie bei einem Schwimmkurs anzumelden. Sie strahlt. Und Mia? ...

Drei Minuten später springt sie mit ein paar anderen Kindern freudestrahlend von den Buhnen.


In der Kürze liegt die Würze –
Literaturwettbewerb für Kinder 

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