Die fast vergessene Geschichte von Hiddensee

Als die Erde noch flach war, herrschte eine schwere Sturmflut über der deutschen Boddenlandschaft. Ein paar Inselbewohner wurden vom blühenden Rügen auf ein kleines, ödes Eiland gespült. Damals existierte nur die Region der Dornbuschhügel. Wegen der Flut schauten nur die Spitzen aus dem Wasser. Jeder wurde auf einen anderen Hügel gespült. Das Hochwasser ging aber nicht zurück und es herrschte eine starke Strömung zwischen den Hügeln. Ein Dreiviertel der Menschen starb, weil sie versuchten, zu den anderen zu gelangen. Denn die Strömung war eisig, die Leute, die zu den anderen schwimmen wollten, bekamen Krämpfe und ertranken. Als der nordische Gott Svanti dies sah, sandte er mannsgroße Seepferdchen zu den notleidenden Menschen. Als nach einhundert Jahren das Wasser zurückging, gab es weiter südlich immer noch kanalähnliche Strömungen.

Jetzt sah man, warum er Seepferdchen geschickt hatte. Die Insel sah ja aus wie eines! Man nutzte sie auch weiterhin, es war Tradition geworden. Auch ihre Häuser schmückten sie mit Seepferdchen. Als sich die Flut aus demn Kanälen zurückgezogen hatte, kam ein gemeiner Häuptling an die Macht. Er verbot die Seepferdchen, dafür ließ er viele Pferde auf die Insel schaffen. Außerdem sollte alles, was an Seepferdchen erinnerte, vernichtet werden. Eine ganze Dynastie lang war das so, Name war von Pferd. So zeigten sie ihre Macht. Schnell nannten dioe Einheimischen sie auch „Pferdekopf", damit zeigten sie ihre Verachtung. Das ging ungefähr einhundert Jahre so. Erst als die Insel dem Sohn des Fürsten von Rügen zugesprochen wurde, sollte sich etwas ändern. Es wurde nicht besser, sondern noch schlechter. Er nahm fast alles in Anspruch, was die Fischer und Hirten mühevoll erarbeitet hatten. Und als sein Sohn an die Macht kam, war alles so gut wie verloren. Die Leute hatten kein Hab und Gut mehr, nur noch ein kleiner Funke Hoffnung blieb ihnen.

Ein Fischer namens Wilhelm Gau rief zum Aufstand. Das Volk griff zu Mistgabeln, Hacken, Beilen und Fackeln. Sie griffen den Hof des Häuptlings an, der durch einen starken Wall geschützt war. Auch die Wachen griffen zu ihren Waffen. Der Erste, der ins Gras fiel, war Wilhelm Gau, der Anführer der Aufständischen. Sein Bruder Paul Gau übernahm die Führung und setzte mit seinen Kameraden das Gehöft in Brand. Haus, Ställe und Scheunen brannten herunter und die Bösen wurden verjagt. Als der Brand vorüber war, half ihnen der nordische Gott Svanti erneut aus. Er streute heidesamen auf den kargen Boden, den der Brand zurückgelassen hatte. Es wuchs eine üppig wuchernde Heide daraus. Paul Gau wurde nach dieser Tat zum Häuptling gewählt und machte aus der öden Insel ein kleines Paradies. Er gab der Insel als Fahne eine eigene Hausmarke und das Wappenseepferdchen auf blauem Grund. Es wurde von den Bewohnern der Insel beschlossen: „Wir müssen dem Gott Svanti ein Denkmal setzen!" So kam der Svantiberg zu seinem Namen.