Urlaubsbekanntschaften

Urlaub. Ein für mich mittlerweile sehr schönes Wort. Aber lest selbst: Vorsichtig lief ich am Strand entlang. Ich hatte mir gestern einen Schnitt zugezogen. Am Fuß und hatte definitiv keine Lust, daß sich das wiederholte. Ein Fuß vor den anderen. Ein Fuß vor RUMMS! Erschrocken blinzelte ich in die Sonne. Ich sah die Gestalt, gegen die ich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit gelaufen war. Und dann war da eine Hand, die sich mir helfend entgegenstreckte. Dankend nahm ich sie an und wollte mich gerade bedanken, als mein Helfer einfach so verschwand. Verwirrt schaute ich ihm hinterher und realisierte erst dann, daß ich ihm hinterher mußte, doch da war er schon zwischen den Leuten untergetaucht. Ich hatte ihn eigentlich gar nicht richtig gesehen, und wußte daher nur, daß er dunkle Haare hatte. Langsam setzte ich meinen Weg fort.

Am Nachmittag hatten wir, meine Eltern und ich, beschlossen, an den Hafen zu fahren. Kein schlechter Plan, wenn ich nicht mit meinen Gedanken ganz woanders gewesen wäre. Dadurch lief ich zweimal fast ins Hafenbecken und wurde mehrmals fast überfahren. Wie auch jetzt, wenn mich nicht jemand knapp aus dem Weg gezogen hätte und mich jetzt nicht an seine Brust drücken würde, um einer Fahrradgruppe Platz zu machen. Ich spürte die Wärme und den Herzschlag des Jungen hinter mir. Zumindest glaubte ich, daß es ein Junge war.

Eine Stimme unterbrach meine Gedanken: „Sag mal, hast du keine Augen im Kopf?! Erst heute Morgen und dann jetzt." ‚Ja, das stimmte schon irgendwie. Warte! Woher wußte er von heute früh?' Ich drehte mich in der unfreiwilligen Umarmung. Er sah mich an und ich ihn. ‚Dasselbe dunkle Haar... Hatte ich da etwa meinen Helfer wiedergefunden?' Fassungslos starrte ich ihn mit offenem Mund an. „Was starrst du so? Dadurch gehe ich auch nicht weg."

In diesem Moment verspürte ich den Wunsch, ihn zu küssen. ‚Zweifelsohne würde das ein Wunsch bleiben', dachte ich. Doch da lagen meine Lippen schon auf seinen. Ich dachte, er würde mich wegstoßen, doch er zog mich noch näher an sich heran. Etwas erschrocken keuchte ich und unterbrach damit den Kuß. Ich schaute ihn an. Aus seinen Augen ließ sich nicht ablesen, was er dachte oder fühlte. Doch in meinem Inneren sah es so bunt aus, daß ich dachte, meine Gefühle tanzen. Dann zog er mich wieder zu sich heran. Ich lehnte meinen Kopf gegen seine Brust. Sein Herz schlug mindestens genauso schnell, wie meines. „Wie heißt du?" Er schob mich ein kleines Stück von sich weg. Keine Frage, die man nach einem Kuß erwartete. „Lillia. Und Du?" Schweigen. Dann: „Oliver. Sehen wir uns wieder?" Ich überlegte kurz und sagte dann: „Auf jeden Fall." Dann lächelte ich. Er lächelte zurück. Danach zog er mich wieder näher zu sich heran und küsste mich wieder. Ich schlang meine Arme um seinen Hals. ‚Ja, wir würden uns wiedersehen. Um jeden Preis.'