Die Kaffeebohne

Er beugte sich weit nach unten, um mit seiner Lupe eine Kaffeebohne besser sehen zu können. Frau Kulorsky konnte nicht mehr als einen braunen Punkt auf ihrem Fliesenboden in der Küche erkennen. Er zog sich ein paar Handschuhe an, die ihm ein junger, braunlockiger Assistent reichte, hob die Kaffeebohne auf und legte sie unter ein Mikroskop, das einer der weiteren Assistenten aufgebaut hatte.

„Sehr interessant", murmelte er. Frau Kulorsky sah erschrocken auf: „Herr Hintermayer, Sie haben doch sicher schon einen Verdächtigen!?" Er blickte vom Mikroskop auf und sah sie an: „Herr Kommissar Hintermayer, wenn ich bitten darf!" Er sah sie korrigierend an. Sie nickte heftig mit dem Kopf, für solche Verbesserungen hatte sie jetzt wirklich keine Zeit. In ein paar Stunden würden die Arbeitskolleginnen zum Kaffee trinken kommen. Und es gab zwei Sachen, die gerade störten: erstens war kein Kaffee im Haus, den hatte der Dieb mitgenommen und zweitens war da noch das Durcheinander in ihrem Haus.

Daß eine Bande in der Stadt herumzog, war ihr bekannt, aber sie hatte im Traum nicht damit gerechnet, daß der Dieb bei ihr sein Glück versuchen würde.

Mathilde, eine der Arbeitskolleginnen, würde ohne Kaffee nicht überleben und Bernadette würde wahrscheinlich wieder sagen: „Du hast uns zum Kaffee trinken eingeladen, nun, wo ist der Kaffee?"

Frau Kulorsky erschrak, als ihr diese Gedanken kamen. Es war sowieso schon alles zuviel für sie. Ihr Gatte war auf Dienstreise, der Nachbar hatte in einem Spielcasino sein ganzes Geld verloren, und das, wo er doch so kaffeesüchtig war, und jetzt noch dieser Überfall. Sie schrie auf, stockte kurz und sagte zu sich: „Ich gehe Kaffee kaufen." Sie lief aus dem Haus, Kommissar Hintermayer folgte ihr. Auf der Straße angekommen, sah sie ihren Nachbarn im Garten sitzen. Er gönnte sich gerade eine Tasse Kaffee.