Die Abenteuermöwe

Die kleine Möwe erwachte kurz nach Sonnenaufgang. Gerade, als sie zu ihrem morgendlichen Ausflug, den sie jeden Tag mit ihrer Freundin Paula unternahm, aufbrechen wollte, sah sie über sich einen Schwarm Wildgänse, die ihre letzten Runden drehten. „Wo kommt ihr denn her?", fragte die kleine Möwe.

„Von der Insel. Dort ist es sehr schön. Man findet genug zu essen, es gibt Menschen, Häuser und Tiere."

Sofort verspürte die kleine Möwe den Wunsch, daß sie die Insel auch gern mal sehen würde. „Nehmt mich doch bitte auch mal mit", bat sie die Wildgänse. Und so flog sie mit ihnen auf die Insel.

Währenddessen wartete Paula vergeblich auf die kleine Möwe. Sie hockte auf dem Stein, auf dem sie sich immer trafen und sah die Sonne immer höher steigen. Sie wurde mit jeder Sekunde trauriger. „Ihr wird wohl etwas zugestoßen sein." Paula flog zu ihrem Nest und wartete weiter.

Die kleine Möwe flog mit den Wildgänsen über die Insel.

Sie sah die Häuser, Tiere und Menschen und war fasziniert von ihnen. Auch andere Vögel trafen sie. Die Möwe und die Wildgänse waren gerade dabei, über das letzte Stück Meer, zum Nest der kleinen Möwe zu fliegen, da kam plötzlich ein Sturm auf.

Er trieb die Vögel auseinander. Die Wildgänse waren das schon gewohnt. Sie hielten sich zusammen. Auch die Möwe war eigentlich an Stürme gewöhnt, aber sie war so aufgeregt, daß sie nicht darauf achtete, wohin der Wind sie trieb. Plötzlich verhakte sich ihr Flügel in einem Zweig. Gerade, als sie immer wieder vergeblich versuchte, ihren Flügel zu befreien, hörte sie eine aufgeregte Kinderstimme. Sie sah ein Mädchen auf einem Stein sitzen. Es hielt ein Fernrohr in der Hand. Das Mädchen rief seinen Eltern etwas zu. Da kam der Vater mit einem Jungen, geführt von dem Mädchen, auf sie zu. Das Mädchen kam vorsichtig ins Gebüsch. Es streckte die Hand aus und löste die Ästchen aus ihren Federn.

Die Möwe durfte mit der Familie nach Hause fahren. Dabei saß sie auf Decken, mit ihrem verbundenem Flügel, im Fahrradkorb des Mädchens.

Als sie bei der Familie am Haus war, bekam sie etwas zu fressen. Am Abend wurde sie plötzlich von einem jähen Gedanken aus ihrer Freude gerissen. „Paula. Was machte Paula jetzt?" Die hatte die kleine Möwe ganz vergessen, als sie am Morgen so freudig davonflog. Dann schlief sie ein.

Am nächsten Morgen ging die Familie an den Strand. Das Mädchen hob die kleine Möwe in die Höhe und ließ sie fliegen. Ja, ihre Flügel trugen sie wieder. Da erblickte sie Paula in ihrem Nest. Paula hatte sie auch gesehen. Sie kam geflogen und holte die kleine Möwe ab. Danach holten sie ihren Ausflug nach. Manchmal noch traf sie das Mädchen am Strand. Dann spielten sie glücklich miteinander.