Fotos sind was für Altsheimer

Ich wundere mich noch heute, obwohl es schon etwa fünf Monate her ist. Ich weiß es noch genau, ich wollte Infos für einen Vortrag über meine verstorbene Großmutter sammeln. Dazu war ich bei einem sehr guten Freund von ihr. Ich ging zu Fuß hin. Seine Wohnung lag nur drei oder vier Straßen entfernt und ich dachte darüber nach, was mir meine Oma von ihm erzählt hatte. „Weißt Du", hatte sie gesagt, „ich habe einen sehr guten alten Freund. Wir kennen uns seit unserer Kindheit. Aber wenn du ihn besuchst... Naja! Er ist ein bißchen merkwürdig." So sagte sie es.

„Wer bist du? Was willst du?", riß mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Ein Mann stand in der Tür. Das mußte er sein, der Freund von meiner Omi. Ich erklärte, wer ich war und was ich wollte und so fand ich mich auf seinem Sofa mit einer heißen Tasse viel zu bitteren Kakao wieder.

Nachdem wir ausführlich über meine Oma gesprochen hatten, er mir noch ein paar Fragen beantwortet hatte, fragte ich, ob er vielleicht noch ein paar Fotos hätte, die ich mir ausleihen könne, um sie zu kopieren. Er gab mir keine Antwort, stattdessen führte er mich zu einer Kammer. Wir blieben stehen. Er öffnete die Tür und sagte: „Fotos sind was für Altsheimer!", und machte das Licht an.

Oh mein Gott, die Kammer war voll mit Sonnencremeflaschen mit kleinen Jahreszahlenaufklebern. Ich wußte nicht, ob ich schreiend weglaufen oder mich vor Lachen biegen sollte. Nach einer Weile fragte ich ihn, was es damit auf sich hatte. Er meinte: „In jeder Flasche ist ein Sommer mit Erinnerungen gespeichert!"

Er erzählte, wie er auf die Idee gekommen war und fragte mich am Schluß, ob ich mir welche ausleihen wolle. Ich lehnte dankend ab und ging kopfschüttelnd nach Hause.